Überführung der Libelle über Ijssel-Rhein-Mosel-Saar

Vorbereitung

Schon die vorherigen Wochenenden waren wir immer mal wieder in Urk an Bord der Libelle um sie für die Überführung vorzubereiten. Unsere größten Bedenken waren, dass der Motor und die Hydrauliksteuerung nach einer Liegezeit von 3 Jahren dem Rhein nicht gewachsen sein könnten.
Wie sich jedoch herausstellte machte uns der Motor bei der Überführung am wenigsten bis garkeine Sorgen.

Im Vorfeld reparierten wir:
– Frischwasserpumpe und Ablauf.
– Kontrolle aller Motorkomponenten (Filter etc.)
– Abdichten eines Lecks in der Hydraulikleitung
– Abschlagen aller Segel
Die Strecke planten wir sorgfälltig mittels OpenSeaMap und alten Wasserstraßenkarten aus dem Jahr 1997 welche uns der Voreigner vermacht hat.
Die OpenSeaMap-Karten waren für die Binnenflüsse sehr genau, was mich verwunderte da ich auf der See ganz andere Erfahrungen gemacht habe.

Als Plotter haben wir ein Tablett verwendet und dort ein NMEA-fähiges Hand-GPS angeschlossen. Dank der zuvor runtergeladenen OpenSeaMap-Karten konnten wir so auch immer genau unsere Position sehen und verfolgen.

Mast legen

Die Masten haben wir in Kampen bei der Marina Jachthaven ZC37 gelegt.
Der Yachthaven war für uns die letzte Möglichkeit auf der Ijssel die Masten zu legen, danach wurden die Brücken zu niedrig. Das Einfahren in den Hafen war etwas knifflig. Sand macht die Hafeneinfahrt sehr untief und wir mussten sehr vorsichtig und langsam reinfahren.
Obwohl wir später ankamen als angekündigt war der Hafenmeister sehr freundich und hat uns beim Legen gut unterstützt. Für den Kran war unser Großmast von 12m gerade noch so händelbar. Ich denke bei größeren Masten wird es knapp.
Wir haben für das Legen der beiden Masten etwa 45 min gebraucht und 70€ bezahlt.

 

Tanken

Tankstellen sind seltener auf den Flüssen als wir gerechnet hatte. Wenn wir merkten, dass unser Tank noch zu einem Drittel voll war suchten wir Online nach den nächsten Tankmöglichkeiten und meldeten uns etwa einen halben Tag vorher bei dem entsprechenden Hafenmeister. Dort füllten wir auch meist unsere Wasserreserven auf.
Wasser war immer umsonst. Für den Diesel zahlten wir zwischen 1,22€-1,25€/l. Zum Vergleich: an der Autotankstelle zahlte man etwa 1,04€/l.

 

Liegeplätze

Wir sind immer bis spät in die Nacht gefahren und morgens früh raus, daher hatten wir uns selten mit Liegegebühren auseinandergesetzt. Prinzipiell gab es für uns drei Möglichkeiten der Übernachtung:

  1. Zweimal haben wir reguler Liegegebühren bezahlt. Einmal in Hattem an der Ijssel für ~13€ und einmal in Senheim an der Mosel für ~16€. Beides mal weil wir Duschen wollten.
  2. An einem Poller oder einer Pier. Poller gibt es auf den Flüssen jede Menge, leider sind diese meist für die großen Frachtschiffe ausgelegt und soweit auseinander, dass es fast nicht möglich ist unsere 11,4m Libelle ordentlich dazwischen fest zu machen. Auch wurden wir einmal von einem Frachter von unserem Liegeplatz verjagd, freundlicherweise durften wir jedoch an dem Frachter längsseits Festmachen. An den Piers für die Touristenschifffahrt ist es verboten fest zu machen. Wir haben es trotzdem gemacht, aber nur wenn wir nach 23.00 Uhr angekommen sind und vor 6.00 Uhr abgelegt haben.
  3. Ansonsten sind wir immer bei Nacht in eine Marina eingelaufen und sehr früh morgens weitergefahren. Meist haben wir keinen Hafenmeister vorgefunden und einmal war er zwar noch da hat uns aber kostenlos für 6 Stunden liegen lassen.

 

Fahrt

Wir waren meist zu dritt an Bord und haben uns abgewechselt.

Berechnet:

Ø tgl. Strecke 85km bei 12h Fahrzeit
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676km / 85km =  8 Tage
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8 Tage x 12h = 96h
Verbrauch ~5l/h x 96h = 480l
Kosten 480l x 1,09€/l Diesel = 523,2€

Tatsächlich:

Ø tgl. Strecke 99km bei 16,6h Fahrzeit (≙ 71,5km/12h)*
Ø Ijssel: 119km/15,67h (≙ 91km/12h)*
Ø Rhein: 85km/18,25h (≙ 56km/12h)*
Ø Mosel/Saar: 104km/15,2h (≙ 82km/12h)*

*Pausen wurden bei der Berechnung nicht abgezogen, insbesondere auf der Mosel hatten wir Zeitverluste durch Schleusen etc.

Kosten Diesel ca. 807€


Weitere Details zur Überführung und zur Strecke findet ihr hier: Streckenplan_Ijssel-Rhein-Mosel-Saar

Hinweis:
Im Rhein gibt es viele Buhnen (Wellenbrecher). Da die Strömung des Rheins hinter den Buhnen gering ist, ist es sehr verlockend nahe an diese ran zu fahren um eine höhere Geschwindigkeit zu erreichen. Daraus ensteht allerdings die nicht zu unterschätzende Gefahr unter Wasser mit diesen zu kollidieren. Die meisten Buhnen sind mit Markern gekennzeichnet und gut zu sehen. Es gibt allerdings auch einige Buhnen die unter der Wasseroberfläche liegen und nicht markiert sind!

 

 

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